Vergleich: Steuererklärung am PC
Das Steuerrecht in Deutschland gehört mit zu den kompliziertesten weltweit. Viele Interessensgruppen haben im Steuerrecht über die Jahre Vergünstigungen erwirkt, die sie nicht mehr aufgeben wollen. Statt einer Vereinfachung wächst die Komplexität, selbst Fachleute verlieren mehr und mehr den Überblick.
Ohne Steuerberater ist die jährliche Steuererklärung bis auf sehr einfache Fälle manuell auf den wechselnden Formularen der Finanzbehörden nicht mehr zu bewältigen. Und nicht jeder möchte den teuren Weg zum Steuerberater antreten.
Steuererklärungssoftware für Privatanwender
Hier bietet eine Steuererklärungssoftware für Privatanwender eine gute Alternative. Inzwischen sind sehr gute Programme am Markt, die nicht nur richtig rechnen, sondern auch den fachfremden Nutzer gut durch den Dschungel der notwendigen Angaben leiten.
Lasse ich meine jährliche Steuererklärung vom Steuerberater erstellen, muss ich über das Jahr alle relevanten Belege und Kontoauszüge sammeln und sinnvoll ablegen. Ohne die Unterlagen – und die werden immer mehr – kann auch der Steuerberater nicht agieren.
Mit einer guten Steuererklärungssoftware benötige ich unwesentlich mehr Zeit, um meine eigene Steuererklärung auf dem Computer ohne Steuerberater zu erledigen. Die Software ist um ein Vielfaches preisgünstiger.
Grundfunktionen der Software
Als Ergebnis liefern alle am Markt befindlichen Produkte eine Steuererklärung. In den vielfältigen Schritten der Steuererklärung können sich die Programme deutlich unterscheiden. Bevor ich die Unterschiede herausarbeite, möchte ich die Grundfunktionen vorstellen.
Erfassung des Steuerfalls
Am Anfang jeder Steuererklärung steht die Erfassung der Stammdaten. Das sind die persönlichen Informationen auf der ersten Seite des Mantelbogens. Steuernummer, Anschrift, Alter, Bankverbindung und Anzahl und Geburtstag der Kinder, das sollte ohne Kopfzerbrechen einzugeben sein. Wenn jedes Jahr das gleiche Programm verwendet wird, lassen sich die Stammdaten normalerweise aus der Erklärung des Vorjahres automatisch übernehmen. Das spart dumme Arbeit.
Die eigentliche Steuererklärung beginnt nun mit der Eingabe der komplexen Fachinformationen zur Steuer. Und hier wird dann auch die Qualität der Software spürbar.
Das Wichtigste an einer Software für die Steuererklärung ist das geballte und verständlich aufbereitete Fachwissen. Wenn Benutzerführung und fachliche Fragen optimal gestaltet sind, lässt sich aus dem Potential der Steuereinsparungen am meisten umsetzen.
Eine logisch aufgebaute Führung, die alle bereits bekannten und eingegebenen Informationen bei Entscheidungen und bei der Abfrage der relevanten Fakten berücksichtigt, ist das Kernstück einer jeden Steuererklärungssoftware. Das ist der Steuerberater persönlich ohne Fleisch und Blut.
Die Berechnung der Steuer
Wenn das Programm vermeldet, dass alle Eingaben abgeschlossen sind, ist die Steuerklärung so gut wie fertig. Den Rest erledigt die Maschine. Und das fast immer perfekt, egal mit welchem Programm. Nach ungefähr einer Minute hat der Computer die Steuer berechnet und bietet einen Ausdruck an, der ähnlich aufgebaut ist, wie der tatsächliche Steuerbescheid vom Finanzamt. Auch ausführlichere Informationen mit mehr Details und fachlichen Begründungen der Steuerberechnung zu spezifischen Punkten sind bei einigen Programmen erhältlich.
Der Druck der Steuererklärung auf Papier
Die Steuererklärung nimmt das Finanzamt entweder traditionell auf Papier oder (fast) papierlos elektronisch entgegen. Wie unterstützt eine Steuererklärungssoftware die Abgabe auf Papier?
Voraussetzung ist immer ein akzeptabler Drucker, denn es geht um viel Papier. Die meisten Programme bieten wahlweise die Bedruckung der Originalformulare des Finanzamts an oder den Druck auf neutral weißem Papier.
Die Bedruckung der Formulare ist die sparsame, aber umständliche Methode. Es werden nur die Informationen in die Formularfelder gedruckt. Das spart Farbe und Papier und kostet Zeit. Der Anwender muss dafür Sorge tragen, dass nach jeder gedruckten Seite die logisch nächste Seite des Formulars wieder richtig in den Einzelblatteinzug des Druckers gelegt wird. Eine beliebig langwierige und fehleranfällige Prozedur.
Dem Druck auf weißem Papier gebe ich den Vorzug, auch wenn deutlich mehr Farbe für die aufwendigen Formulare des Fiskus vergeudet werden muss. Ein Knopfdruck und die gesamte Steuererklärung wird in richtiger Reihenfolge gedruckt. Nur noch die Unterschrift und ab damit in die Post.
Versand der elektronischen Steuererklärung
Mit weniger Papier und modern, aber auch nicht immer problemlos, funktioniert die Abgabe der elektronischen Steuererklärung. Dazu wird am PC ein Zugang zum Internet benötigt. Mit nachgeschalteter „Firewall“ und anderen Sicherheitseinstellungen kann dabei der eigene PC zur ersten Hürde werden.
Die Steuerbehörde hat in Ihrem Rechenzentrum ein Steuerprogramm namens „Elster“, Elektronische Steuererklärung.
Unsere Software für die Steuererklärung baut eine Datenverbindung über das Internet mit dem Programm Elster bei der Finanzbehörde auf. Es übermittelt die Daten der Steuererklärung an das Finanzamt.
Zusätzlich zu der elektronischen Übermittlung der Steuererklärung wird von der Steuererklärungssoftware eine kurze Zusammenfassung auf Papier gedruckt, die mit den Anlagen zusammen wie üblich an das Finanzamt übergeben wird. Ganz papierlos funktioniert die Steuererklärung mit Elster noch nicht.
Unterstützung nach Abgabe der Steuererklärung
Die meisten Programme unterstützen auch nach der Steuererklärung den Anwender noch durch Musterbriefe und eine Datenbank mit Tipps zur steuerlichen Gestaltung des Folgejahres
Steuererklärungssoftware verarbeitet viele Einkunftsarten
Unser Steuerrecht kennt verschiedene Einkunftsarten, die alle unterschiedlichen Regelungen unterliegen. Steuererklärungssoftware verarbeitet fast immer alle Einkunftsarten, Leistungsunterschiede können in Details bestehen.
Zum Beispiel unterstützen nicht alle Softwarepakete bei Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit die Grenzgänger Regelung oder in der Landwirtschaft die Besonderheiten aus dem Weinbau.
Wer bei seiner Steuererklärung mit sehr speziellen Themen zu tun hat, der sollte vor Anschaffung einer Software genau die Funktionsbeschreibung des Produktes lesen.
Die folgenden Einkunftsarten werden von fast allen Produkten unterstützt:
• Nichtselbstständige Tätigkeiten
• Selbstständige Tätigkeiten und Gewerbebetrieb
• Kapitaleinkünfte
• Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
• Einkünfte aus Land- und Fortwirtschaft
• Ausländische Einkünfte
• Sonstige Einkünfte
Zur Steuererklärung stellt das Finanzamt eine Fülle von unterschiedlichen Formularen zur Verfügung. Eine Unterstützung der Formulartypen wird heute praktisch von jedem Produkt auf aktuellem Stand angeboten. Die üblichen Formulartypen sind:
• Mantelbogen für die persönlichen Daten und außergewöhnlichen Belastungen
• Anlage KIND für die Beantragung von Freibeträgen
• Anlage N für Arbeitnehmer, Pensionäre
• Anlage V für Mieteinkünfte und Pachten
• Anlage G für gewerbliche Einkünfte z.B. als Kaufmann oder Gesellschafter
• Anlage S für selbstständige Einkünfte z.B. als Freiberufler
• Anlage R für Rentner
• Anlage KAP und AUS für Sparer und Anleger
Bündelung der Software mit Fachliteratur
Das Steuerrecht ist ein sich laufend veränderndes komplexes Regelwerk mit Gesetzen, Ausführungsbestimmungen und Urteilssprüchen der oberen Finanzgerichte. Diese Informationen werden im Produkt strukturiert dargestellt.
Kreative Steuerberater suchen ständig nach Lücken in dem Rechtsgebilde und zeigen mit entsprechenden Tipps dem Steuerzahler Wege zu Einsparungen bei der Steuer auf.
Es hat sich ein breiter Markt an vom Laien verständlicher Fachliteratur entwickelt, die mit konkreten Handlungsempfehlungen für den Steuerzahler aufwartet. Am bekanntesten ist hier sicher das jährlich erscheinende Buch von Konz mit dem Titel „1000 ganz legale Steuertricks“. Konz war früher selbst Finanzbeamter und hat nach Beendigung seiner Tätigkeit die Seiten gewechselt und sein enormes Wissen als Insider in kreative Beratung einfließen lassen.
Verschiedene Softwarepakete zur Erstellung der Steuererklärung sind heute als Mehrwert mit verständlicher Beratungsliteratur gebündelt. Und das bei Preisen von ungefähr 10 € für Programm und Buch auf DVD !
Eine gute Steuer-Spar-Erklärung setzt Wissen und kreatives Denken voraus. Die meisten Steuerberater verfügen nur über das Wissen.
Der Markt für Steuererklärungssoftware
Waren bei Entstehung erster Steuererklärungssoftware die Produkte noch spartanisch, lückenhaft und zum Teil sogar fehlerhaft, so kann man heute bei allen am Markt befindlichen Produkten sagen, dass sie sinnvoll funktionieren.
Und es werden jährlich mehr. Wie bei allen Software Produkten ist es immer eine kluge Entscheidung, neu im Markt eingeführte Produkte noch nicht gleich zu kaufen.Es kann auch hilfreich sein, in Fachzeitschriften nach Testergebnissen zu suchen. Die besseren Kandidaten sollten gut einsetzbar sein.
Softwarepakete zur Erstellung der Steuererklärung gibt es in Preiskategorien von knapp 10 € speziell bei den Lebensmittel Discountern. In Angebotslisten erscheinen die Produkte am Anfang eines Jahres und sind binnen 2 Tagen häufig vergriffen. Das Preis – Leistungsverhältnis ist so gut, dass es eine große Käufergruppe gibt, die jedes Jahr immer wieder das gleiche Produkt kaufen. Sind diese Produkte in Tests zu finden, schneiden sie häufig mit dem Prädikat „gut“ oder „sehr gut“ ab.
Das preisliche Mittelfeld bei den Software Produkten liegt zwischen 30 € und 45 €. Dafür gibt es einen guten Standard mit Markenname.
Im oberen Preissegment von bis zu 130 € liegen Produkte mit Spezialfunktionen. Die Spezialisierungen sind recht unterschiedlich und reichen von Branchenspezifika bis zur integrierten einfachen Buchhaltung für Freiberufler.
Aktualität der Produkte
Wenn die Software zur Erstellung der Steuererklärung fertiggestellt und getestet ist, sind häufig noch schwebende gesetzliche Regelungen anhängig. Somit gibt es im Januar einen stabilen, aber nicht in allen Teilen korrekten Stand der Software zu kaufen. Dies stellte vor einigen Jahren noch ein großes Problem für die Branche dar. Ein Update mit Fehlerkorrektur konnte nur als CD an den Kunden geliefert werden. Ein immenser Aufwand verbunden mit hohen Kosten.
Heute beherrscht jedes Produkt am Markt die Aktualisierung über das Internet. Wird die Software nach Installation gestartet, wird automatisch über das Internet nach neueren Versionen gesucht und diese im Hintergrund ohne Eingriff des Anwenders eingespielt. Die meisten Kunden erfüllen heute die technischen Voraussetzungen mit einem schnellen Zugriff auf das Internet. Damit bleibt die Software über das gesamte Jahr aktuell, egal ob man die Steuererklärung im März oder im September macht.
Produktauswahl
Welche Kriterien gibt es bei der Produktauswahl?
Wenn Produkte nicht gerade neu in den Markt eingeführt werden, werden alle Produkte spätestens im März nach einigen Updates über das Internet klaglos korrekte Steuererklärungen erstellen.
Werden keine Spezialitäten (z.B. Grenzgänger) benötigt, sind alle Produkte funktional tauglich.
Da bleiben im Wesentlichen nur das Kriterium der Effizienz bei der Benutzerführung und bei der Strukturierung der Fragen und Informationen. Und hier gibt es in der Tat leichte Unterschiede, die sich im Zeitaufwand und dem Ergebnis bei der Steuerrechnung widerspiegeln.
Das Programm wird einmal im Jahr genutzt. Ob die Erstellung der Steuererklärung eine Stunde schneller oder langsamer abgeschlossen wird, ist wirklich nicht relevant. Auch eine Differenz von 50 € bei der Steuereinsparung durch intelligente Steuerspartipps bleibt überschaubar. Wirklich harte Kriterien für die Auswahl eines Produktes sehe ich nur bei benötigten Sonderfunktionen.
Auch die Preiskategorie hat nur eine geringe Aussagekraft bezüglich der Produktleistung. Es gibt Hausfrauen, die kaufen Butter immer beim Discounter, andere im gehobenen Lebensmittelhandel, wegen des Geschmacks. Manchmal handelt es sich um die gleiche Butter zu unterschiedlichen Preisen.
Sinnvoll ist es – wenn keine gravierenden Mängel aufgetreten sind – im Folgejahr wieder das gleiche Produkt zu nutzen. Die Lernkurve beim Einsatz eines anderen Produktes nimmt wahrscheinlich mehr Zeit in Anspruch als die Steuererklärung selbst.
Fazit
Steuererklärungssoftware für Privatanwender hilft bei der Erstellung der formal sauberen und korrekten Erklärung. Was früher mit Fachbuch, Taschenrechner, Kugelschreiber und Formular funktioniert hat, machen wir heute mit dem Computer.
Wo entsteht der Mehrwert?
Die gezielte Benutzerführung mit fachlichen Fragen stellt sicher, dass nichts vergessen wird und alle Informationen korrekt berechnet an der richtigen Stelle im Formular zu stehen kommen. Das Steuerergebnis wird zusätzlich berechnet.
Mit dem Computer lassen sich Fachfragen schneller recherchieren und Antworten darauf finden. Bei einfachen Steuererklärungen wird das nicht gebraucht. Der Mehrwert wächst mit der Komplexität des Steuerfalls (z. B. Mix aus mehreren Einkunftsarten).
Ein wesentlicher Zeitfaktor ist das Zusammenstellen der Belege als Grundlage für die Steuererklärung. Eine systematische Ablage sorgt für Effizienz und Vollständigkeit. Bei fehlenden Belegen ist das Computerprogramm bei aller Intelligenz machtlos.
